Dr. Louis Spohr 1784 - 1859

 
Presse

Dr. Louis Spohr
Generalmusikdirektor und Kurfürstl. Hofkapellmeister in Cassel geb. 4.5.1784
in Braunschweig


  Über Louis Spohrs Leben orientiert vor allem seine musikgeschichtliche höchst wertvolle Selbstbiographie 2. Bd. Cassel und Göttingen 1860. Verlag G.H. Wigand; im Buchhandel vergriffen. Die reiche Spohr-Literatur findet man verzeichnet in der Allgem. Deutschen Biographie Bd. 35. Auch bei Reclam ist (Nr. 1780) eine Biographie Spohrs von L. Nohl für zwanzig Pfennig zu haben, die empfehlenswert zu lesen ist. Ein Lebensabriß und eine Würdigung Spohrs ist bei der Fülle der leicht zugänglichen Literatur überflüssig; nur die hauptsächlichsten Lebensdaten seien des Zusammenhanges wegen hier eingefügt.

Louis Spohr wurde geboren 1784 5./4. in Braunschweig im Pfarrhaus seiner Großeltern Henke am Aegidienkirchhof (jetzt Spohrplatz s. Abbild.) getauft zu St. Aegidien 12./4. auf den Namen Ludewig; (doch hat er selbst sich nur Louis genannt und geschrieben).

1799 fünfzehnjährig vom Herzog Ferdinand von Braunschweig als Hofkapellist angestellt.
1803 zum Kammermusikus ernannt.
1805 Herzogl. Goth. Konzertmeister in Gotha
1812-1816 Kapellmeister und Orchesterdirektor beim Theater an der Wien
1817-1819 Opern- und Musikdirektor am Stadttheater in Frankfurt a.M.
1819 Berufung zum Konzertmeister der philharmonischen Gesellschaft in London.
1821 Übersiedelung nach Dresden ohne öffentliche Stellung,
1822 Anstellung als Kurfürstl. Hofkapellmeister in Cassel;
1823 Jessonda komponiert und erste Aufführungen der Oper;
1835 Ehrendoktor der Universität Marburg,
1847 Ernennung zum General-Musikdirektor unter Verleihung der Hoffähigkeit.
1856 Pensionierung.

Er starb am 22.10.1859 in Kassel ohne besondere Krankheit.

  Sein Bronzestandbild am Hoftheaterplatz in Kassel, modelliert von Hartzer, 1883 enthüllt. Außerdem heißt ihm zu Ehren eine Straße die Spohrstraße. Ferner wird sein Andenken in Kassel gepflegt durch das Spohr-Konservatorium und die Spohr-Gesellschaft.

Das Spohr-Museum im Rathause enthält zahlreiche Andenken an ihn. Sein idyllisch gelegenes Wohnhaus - Eigentum - mit herrlichem Garten vor dem ehem. Kölnischen Tore, das er seit etwa 1823 bis zu seinem Tode bewohnte, hat leider bald nach 1892 großstädt. Mietskasernen Platz machen müssen. 3322 aus seinem Nachlaß stammende Briefe an ihn, meist von Künstlern und Kunstfreunden werden in der königl. Landesbibliothek in Cassel aufbewahrt. Sie sind alphabetisch geordnet nach den Verfassern.

Der fünfzigjährige Todestag Spohrs 1909 22./10. wurde besonders in Kassel, aber auch in vielen anderen deutschen Musikstädten durch Aufführung Spohrscher Werke gefeiert. Und um wenigstens einige Andeutungen über seinen Charakter zu geben, alle seine Biographen stimmen darin überein, daß sie ihn nicht nur als einen hervorragenden Künstler, sondern auch als einen der edelsten Menschen seiner Zeit preisen. "Nicht nur" so heißt es in der Allgemeinen Deutschen Biographie Bd. 35, S. 239, als auf allen Gebieten seiner Kunst hervorragender Musiker, auch als verehrungswürdiges Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft, zählt spohr zu den bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Als Violinspieler unerreicht und bis heute immer noch der erste, wenn die großen Geiger unseres Jahrhunderts genannt werden, als Komponist sich den besten Meistern zur Seite stellend, als Dirigent wie kein anderer gesucht, gefeiert und geehrt, als Lehrer von größtem Einflusse auf die Technik seines Instrumentes, eine bis heute noch wirkende Schule bildend, war er auch durch seinen lautern, tadellosen Charakter, edle Gesinnung und patriotische Begeisterung, wie durch seine imposante, machtvolle Persönlichkeit eine wahrhaft erhabene gottbegnadete Erscheinung."

Ein Hüne von Gestalt, mit markanten, wie aus Erz gegossenen Gesichtszügen, ein Freund von Leibesübungen, Schwimmen und Fußwanderungen, voll Liebe zur Natur und ländlicher Einfachheit besaß er seines Vaters eiserne Willenskraft, Schaffensfreude und rege Vielseitigkeit der geistigen Bestrebungen und Interessen. Nach Lebensform und innerem Wesen durch und durch Aristokrat, nie seiner Würde etwas vergeben weder vor Höhergestellten noch vor Gleichstehenden, exklusiv mitunter in einem Grade, daß man ihn für stolz, kalt und unnahbar hielt, schloß er sich doch nur lediglich gegen das moralisch Niedrige und in seiner Kunst gegen das volkstümlich Triviale energisch ab, und seine hohe Selbstschätzung entsprang durchaus nur seiner außerordentlich hohen Auffassung von seiner Kunst. Als einst bei einer Gesellschaft eine Tischnachbarin durchblicken ließ, der Arztberuf, für den er ursprünglich bestimmt war, hätte ihm doch wohl eine höhere und sichere soziale Stellung geboten, fertigte er sie sehr entschieden und mit großer Entrüstung ab: "So hoch der Geist über dem Körper steht, so hoch steht auch der, welcher sich der Veredlung des Geistes widmet, über dem, der nur den vergänglichen Körper pflegt". Dies ist, so meint ein Biograph, für die Beurteilung seines Charakters und seiner Lebensauffassung vielleicht die markanteste Äußerung, die er getan hat.

  Als Beispiel, welche Verehrung Louis Spohr bei den Besten seiner Zeit genoß, sei bruchstückweise ein Dankbrief Richard Wagners an Spohr für die Erstaufführung des "Fliegenden Holländers" mitgeteilt: "Mein hochwertester Herr und Meister, von der Freude, ja von dem Entzücken, das mir Ihr so außerordentlich liebenswürdiger Brief bereitete, mußte ich mich wirklich erst etwas erholen, ehe ich daran gehen konnte, Ihnen zu schreiben und mein dankbares Herz gegen Sie auszuschütten ... Nun sehe ich aber wohl, daß ein Glückstern über mir aufgegangen ist, da ich die Teilnahme einem Mannes gewinnen konnte, von dem schon eine nachsichtige Beobachtung mir zum Ruhm gereicht hätte: - ihn selbst mit der fördernsten und entscheidendsten Tätigkeit sich meiner Sache annehmen zu sehen, das ist ein Glück, welches wirklich zum ersten Male mit einem Gefühle des Stolzes erfüllt, das bis jetzt noch nie, durch kein Zujauchzen des Publikums, in mir hervorgerufen werden konnte ..."

  Schließlich möge her auch auf den außerordentlich regen Familiensinn Louis Spohrs hingewiesen werden: auf die kindliche Verehrung, mit der er an seinen Eltern hing, auf die rührende Fürsorge, die er besonders gegen seinen Bruder Ferdinand, aber auch sonst als Gatte, Vater, Großvater und Oheim betätigte, vor allem auch auf den Eifer, mit dem er verwandtschaftliche Beziehungen auch mit ferner stehenden Familienmitgliedern pflegte. So konnte auch aus diesem Grunde kein würdigerer Anlaß zur Herausgabe des Spohr’schen Familienbuches gefunden werden als sein 50jähriger Gedenk- und Todestag, der 22. Oktober 1909

  Louis Spohr war zweimal verheiratet: in erster Ehe 1806 in Gotha mit Dorothee Henriette gen. Dorette Scheidler, einer ganz hervorragenden Künstlerin auf der Harfe; geb. 1787 2./12. in Gotha; gest. 1834 20./11. in Kassel; Tochter des Gothaischen Kammermusikus J. David Scheidler (Violoncellist) und s. E. Sofie Elise Susanna Preyßing (Letztere seit 1776 herzogl. Kammersängerin, Altistin, in Gotha (gest. 1832) in zweiter Ehe seit 1836 in Kassel mit Marianne Pfeiffer, einer hervorragenden Pianistin geb. 1807 17./6. in Kassel, gest. 1892 3./1. ebenda, Tochter des bek. Patrioten Oberappellationsgerichtsrates Dr. jur. Burghard Wilhelm Pfeiffer in Kassel.
 

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